Spitzwegerich © Dr. Karin Rahman

Spitzwegerich

So lindert der Befreier der Lunge Atemwegs- und Hautbeschwerden.

Er wächst unauffällig auf Wiesen und am Wegesrand, doch Kundige erkennen den Spitzwegerich schon im zeitigen Frühjahr an seinen langen, schmalen Blättern, die wie Lanzen aus dem Boden schießen. So manchen erinnert die Form dieser Blätter an einen Fußabdruck. Mit dem lateinischen Namen, „Planta“ für Fußsohle und „agere“ für darstellen, wird diesem Eindruck Rechnung getragen. Möglich ist aber auch, dass sich der Name von der einfachen Verbreitung ableitet: Versehen mit einer verschleimenden Außenschicht bleiben die Samen leicht an Fußsohlen und Pfoten haften und können dadurch weit verschleppt werden. So verbreiteten weiße Siedler den Wegerich einst bis nach Amerika, wo er deshalb „Fußstapfen des weißen Mannes“ genannt wird. Der deutsche Name Wegerich leitet sich von der indogermanischen Silbe „-rich“ für König ab. Der Weg, über den er herrscht, führt der Legende nach jedoch ins Totenreich. Grund dafür: Das sogenannte „Kraut der Proserpina“, der römischen Göttin der Unterwelt, wächst nun einmal bevorzugt am Wegesrand und säumte daher auch die ersten Pfade der Menschheit – hin zu Begräbnis- und Ritualstätten. Gleichzeitig soll die Wegerichblüte, die sich weit über den Boden erhebt, auch das Überwinden des Todes symbolisieren.

Medizinisch gesehen führte der Spitzwegerich in der Tat häufig auf den Weg zurück ins Leben. In der Antike empfahl der griechische Arzt Dioskurides (50 n. Chr.) die in Wasser und Wein gekochte Wurzel bei Fiebererkrankungen und ließ bei Drüsenschwellungen ein Halsband aus Wegerichblättern umhängen. Die Heilige Hildegard von Bingen empfahl Wegerichsaft gegen Gicht und das Wurzelpulver gegen Gift. In der Volksheilkunde wurde diese „giftziehende“ Wirkung genutzt, um Schlangenbisse und Insektenstiche zu behandeln. Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp lobte den Spitzwegerich ebenso wie Paracelsus als Mittel zur Wundheilung und auch in vielen Shakespeare-Dramen wird „plantain“ bei Verletzungen der Haut angewendet. Im Zweiten Weltkrieg diente der Spitzwegerich als Antibiotikum des Kriegsfelds. Zudem schätzten ihn die Soldaten, da seine Blätter – in die Schuhe eingelegt – bei langen Fußmärschen das Wundlaufen der Füße verhinderten. Im Volksmund brachte ihm diese Fähigkeit den Namen „Wundwegerich“ ein.

Bei Husten & Heiserkeit bestens bewährt

Der Spitzwegerich vereint eine ganze Reihe von Heilwirkungen: Er ist reizlindernd, auswurffördernd, entzündungshemmend, antibiotisch und immunstärkend. Zurückzuführen ist das auf seine Inhaltsstoffe, zu denen Schleim- und Gerbstoffe, Kieselsäure, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe zählen. Besonders bei Atemwegsinfekten ist diese Kombination ideal: Die Schleimstoffe erleichtern den Abtransport von Sekret aus den Bronchien und beruhigen Hals und Rachen bei Heiserkeit. Gleichzeitig wirken die Gerbstoffe zusammenziehend. Der sekundäre Pflanzenstoff Aucubin ist für die antibakterielle Wirkung verantwortlich, die dem Spitzwegerich seine Eignung als Antibiotikum verleiht. Zudem gehört der Wegerich zu den wenigen Pflanzen, welche die Produktion von Interferon anregen. Diese Proteine stärken die Abwehrkräfte und helfen dadurch auch gegen Viren in den Luftwegen.

Spitzwegerich sprengt die „inneren Eisenringe“,
die wir uns selbst um die Lunge legen
und lässt uns wieder freier atmen.

Wolfgang Schröder Meisterkräuter-Therapie

Dank seiner entzündungshemmenden Wirkung wird der Spitzwegerich weiters als „Wiesenpflaster“ angewendet: Verletzen wir uns unterwegs, verbrennen uns an Brennnesseln oder werden von Insekten gestochen, so hilft es, ein paar frische Spitzwegerichblätter auszuquetschen und den Saft auf die betroffene Hautstelle zu tupfen. Auch bei anderen Beschwerden der Haut, wie Neurodermitis, Ekzemen und Entzündungen, kann der Spitzwegerich auf diese Art angewendet werden.

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