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Beckenboden-Power

Mit einem starken Beckenboden in sich selbst und im Leben verwurzelt sein.

Versteckt, mysteriös und voller Kraft: Der Beckenboden ist ein muskulöses und elastisches Meisterwerk mitten in unserem Körper. Er ist unsere anatomische wie energetische Stütze.

Ein aktiver und kräftiger Beckenboden lässt uns in aufrechter Haltung sicher und selbstbewusst durch das Leben gehen. Als eine in drei Schichten aufgebaute trichterförmige Muskel-Sehnen-Platte verbindet er das Schambein mit dem Steißbein und den beiden Sitzhöckern. Im hinteren Teil befindet sich der Mastdarm mit Anus, im vorderen die Harnröhre und Vagina. Den dritten Teil des Beckenbodenaufbaus bilden die Schwell- und Schließmuskeln. Der Beckenboden ist ein Körperteil, den wir kaum bewusst wahrnehmen und dadurch nur geringe Beachtung schenken. Ein verschenktes Potenzial, ist doch der Beckenboden Quelle für Vitalität, Schutz und Sicherheit. Und er kann, wie jeder andere Muskel, trainiert werden. Voraussetzung ist, dass wir ihm die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient.

In geheimer Mission

Wie andere Muskeln in unserem Körper, so können wir auch den Beckenboden aktiv anspannen und lockerlassen. Beim Anspannen kontrollieren wir die Schließmuskeln der Harnblase und des Anus. Das Entspannen brauchen wir auf der Toilette beim Wasserlassen und beim Stuhlgang. Während des Orgasmus pulsiert der Beckenboden – Anspannung und Entspannung wechseln sich ab. Ein kräftiger Beckenboden, den wir nach unseren Wünschen anoder entspannen können, ist übrigens eine gute Basis für ein erfülltes Sexleben. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen.

Es gibt aber noch eine dritte Aufgabe, die der Beckenboden erfüllt und die er quasi „ganz von selbst erledigt“: nämlich das reflexartige Anspannen, wenn es in unserem Bauchraum zu einer Druckerhöhung kommt. Das ist dann der Fall, wenn wir husten, niesen, lachen, hüpfen oder schwere Lasten tragen. Voraussetzung ist natürlich, dass unsere Beckenbodenmuskulatur kräftig ist. Denn wie ein untrainierter Bizeps keine Last tragen kann, so ist auch ein schwacher Beckenboden nicht in der Lage, den Beanspruchungen Stand zu halten.

Trocken in der Hose

Es gibt Dinge, die unseren Beckenboden auf Dauer schwächen. Das ist einmal Übergewicht, bei dem die Beckenbodenmuskulatur mehr Kilos gegen die Schwerkraft „stemmen muss“. Ein weiterer Faktor ist körperliche einseitige Belastung – dazu zählt auch eine schlechte Haltung und zu langes Sitzen.

Bei Frauen kommt naturgemäß die Belastung des Beckenbodens durch Schwangerschaft und Geburt dazu. Blasen- und Gebärmuttersenkung können die Folge sein. Kommt es bei der Geburt zum Dammriss oder wird der Damm vom Arzt eingeschnitten, ist das Gewebe des Beckenbodens verletzt und damit geschwächt. Beim Mann sind es Prostataoperationen, die eine große Belastung für die Beckenbodenmuskulatur darstellen.

Egal ob bei Mann oder Frau: Ein schwacher Beckenboden, den wir nicht aktiv an- und entspannen können, verursacht Inkontinenz. Zunächst einmal macht sich dies beim Husten, Niesen oder Lachen bemerkbar. Die Muskulatur ist nicht mehr stark genug, um dem erhöhten Druck im Bauchraum standhalten zu können. Lässt die Kraft noch mehr nach, kann dies schon bei einer volleren Blase der Fall sein.

Faktor Progesteron

Wie für jeden Muskel gilt: ohne Training keine Kraft. Naturgemäß werden alle unsere Muskeln im Alter schwächer. Da ist der Beckenboden keine Ausnahme. Der Körper befindet sich in einem ständigen Umbauprozess. Gewebe wird auf- und abgebaut. Mit zunehmendem Alter überwiegt der Abbau im Vergleich zum Aufbau. Einen wesentlichen Faktor in diesem Umbauprozess bildet u. a. das Progesteron. Das Gelbkörperhormon hemmt den Gewebsabbau – auch am Beckenboden. Im Laufe der Lebenszeit sinkt der Progesteronspiegel bei Frau und Mann. Damit kann der Gewebsabbau schneller voranschreiten – der Beckenboden wird dadurch schwächer. Ein ausgeglichener Hormonhaushalt ist daher eine wichtige Basis für einen starken Beckenboden.

Aktiv werden

Es gibt verschiedene Übungen und Hilfsmittel, um den Beckenboden zu stärken. Gerade zu Beginn ist die Teilnahme an einem Kurs sinnvoll, da es viel einfacher ist, mit professioneller Hilfe den Beckenboden zu trainieren. Prinzipiell sind aber vier Punkte beim Aktivieren des Beckenbodens besonders wichtig:

  • Das Bewusstsein: Weil für viele von uns der Beckenboden ein weißer Fleck auf der Körperlandkarte ist, gilt es einmal, diese Region zu erkunden. Den Beckenboden spüren wir üblicherweise nicht. Am besten machen wir uns seine Funktion bewusst, indem wir die Harnröhre zusammen kneifen, als ob wir den Harnstrahl unterbrechen wollten. Dabei ziehen wir den Beckenboden zusammen und können ihn bewusst spüren.
  • Die Atmung: Beim Einatmen wird der Bauch nach unten gedrückt, das Zwerchfell senkt sich. Gleichzeitig dehnt sich der Beckenboden nach unten hin aus. Beim Ausatmen gelangt er wieder nach oben, die Muskeln ziehen sich zusammen, das Zwerchfell hebt sich. Alle Beckenbodenübungen sollten mit einer bewussten Atmung durchgeführt werden.
  • Die Anspannung: Haben wir unseren Beckenboden entdeckt, können wir ihn nun auch aktiv anspannen und diese Spannung ein paar Sekunden halten. Nun folgt eine Entspannungsphase. Diese Muskelaktivierung können wir ganz einfach mehrmals hintereinander durchführen. Wichtig ist die richtige Atmung.
  • Die Haltung: Im Alltag übersehen wir oft, wie sehr eine schlechte Haltung der Spannung des Beckenbodens schaden kann. Ein gekrümmter Rücken verstärkt den Druck auf die Bauchorgane und verringert die Spannung des Beckenbodens. Eine aufrechte Haltung trägt dazu bei, diese Spannung beizubehalten. Beim Heben schwerer Gegenstände wird oft auf die Atmung vergessen. Auch das beeinflusst die Aktivität des Beckenbodens ungünstig.

Starkes Urvertrauen

Nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf energetischer und mentaler Ebene hat der Beckenboden für uns eine große Bedeutung. Er wird dem Wurzelchakra zugeordnet, das uns mit den persönlichen Bedürfnissen des Lebens, wie Sicherheit, Wärme, Schutz und Geborgenheit verbindet. Ein starkes Wurzelchakra lässt uns stabil, sicher und geborgen mit beiden Beinen mitten im Leben stehen. Wir sind unabhängig von wechselhaften und unsicheren äußeren Umständen. Wir fließen gelassen mit dem sich stets verändernden Strom des Lebens, weil wir in uns selbst Geborgenheit und Vertrauen gefunden haben.

 

 

 

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